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Start Integration Allgemein Migranten in der Mark

25.4.2015

Flüchtlinge in der Wennigser Mark

WelcomeVor einigen Wochen sind Flüchtlinge in das alte Dorfgemeinschaftshaus eingezogen, dessen Räumlichkeiten umgebaut wurden, um weitere Unterbringungsmöglichkeiten in der Gemeinde zu schaffen. Aus der Wennigser Mark haben sich Claudia und Jürgen Welk über die VHS zu so genannten Integrationslotsen ausbilden lassen. Sie versuchen jetzt, behilflich zu sein, damit die Bewohner  im deutschen Alltag zurecht kommen. Hier erste Eindrücke von ihrer Arbeit:

Wir haben am 16.4 von der Gemeindeverwaltung gehört, dass die Bewohner des alten DGH Unterstützung benötigen und sind gleich am nächsten Tag hingegangen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine Informationen, auf wen wir dort treffen würden und was die Flüchtlinge benötigen.

Wir trafen 11 von 15 Personen an, die dort untergebracht sind: Eine Familie mit 3 Kindern und 3 Paare. Fast alle kommen  aus so genannten Balkanländern, überwiegend aus Montenegro. Eine Verständigung war nicht möglich, da niemand Deutsch oder Englisch sprach. Gottseidank hatten wir Fadil, einen Bosnier, im VHS-Kurs, den wir telefonisch zuschalten konnten, und der uns das Nötigste übersetzt hat. Schnell wurde deutlich, dass Vieles zu klären war, denn nach Ankunft in Wennigsen, wohin die Flüchtlinge aus dem Erstaufnahmelager in Braunschweig geschickt wurden, gab es Niemanden , der sie sprachlich  ausreichend einweisen konnte. Von der Gemeinde erhalten Neuankömmlinge zwar eine Erstinformation, da in Wennigsen  aber keine Übersetzer vorhanden sind, bleibt dabei allein aus sprach-lichen Gründen vieles offen, besonders dann, wenn im Ort noch kein Netzwerk von Flüchtlingen der gleichen Nationalität existiert und keine Integrationslotsen frei sind, die die Menschen betreuen können.

Also: Neuen Termin gemacht und unseren Freund Fadil dazu eingeladen, der aller-dings, das muss man wissen, den Betreuer Job auch in Ronnenberg macht und dort schon mehr als ausgelastet ist. Fadil hat dann übersetzt. Was wir herausfanden war ziemlich erschreckend, nämlich dass unter anderem die Nutzungsbedingungen  der Verkehrsmittel nur rudimentär bekannt waren und die Familien daher ihre bei ALDI in Wennigsen getätigten Einkäufe auf dem Radweg zu Fuß nach Hause schleppten, dass einige Personen dringend zum Arzt mussten, aber natürlich  keinen Doktor  kannten, dem sie ihr Krankheitsbild schildern konnten, und dass sie weder Haus- noch Wohnungstüren abschließen konnten, da keine Schlüssel vorhanden waren - um nur einige Themen zu nennen. Briefkästen waren ebenfalls nicht vorhanden, obwohl die Flüchtlinge immer postalisch erreichbar sein müssen, da ihnen das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration bestimmte Termine per Post mitteilt – und das nicht Einhalten dieser Termine böse Folgen haben kann, z.B. Abschiebung wegen nicht Einhalten von Terminen.

Diese Bestandsaufnahme konnten wir aber nicht abschließen, da unser Übersetzer nur zwei Stunden Zeit hatte. Also wird es noch weitere Runden geben, bevor wir einen kompletten Überblick haben.

Wir haben den Familien erst einmal Einkaufsmöglichkeiten gezeigt, wegen eines besonders akuten Falles einen Arzttermin gemacht und die Bewohnerin zum Arzt begleitet, Kleidung für ein junges Mädchen besorgt, bei der Gemeinde Schlüssel angefordert und ein hilfreiches Bilderlexikon Deutsch/ Kroatisch besorgt, das den Bewohnern im Alltag helfen kann.Wir waren auch bei der Tafel, um die schweren Einkaufstüten der Leute mit dem Auto – statt mit dem Bus – zu transportieren. Das war deswegen erforderlich, weil gerade die älteren Leute krank sind (zwei Herz-kranke, eine Wirbelsäulenoperierte).

Absehbar ist, dass die extrem karge Ausstattung durch Spenden verbessert werden kann. Dazu stellen wir ca. in der 2. Maiwoche eine Bedarfs-Liste auf die Homepage der Mark. Eine pauschale Spendensammlung macht keinen Sinn. Schön wäre, wenn wir unser Frau-/Mann-Team mit 2-3 anderen Märkern als Kontaktpersonen verstärken könnten, da wir berufstätig sind und noch in anderen Bereichen engagiert sind. Wir haben mittlerweile auch noch jemanden gefunden, der im Wechsel mit Fadil übersetzen könnte. Mehr Betreuung - das ist auch ohne VHS-Kurs möglich -  wäre auch wichtig, da in den nächsten Monaten weitere Flüchtlinge erwartet werden und damit auch die Unterbringung in der Wennigser Mark nicht so schnell beendet sein wird. Wer Interesse hat, melde sich bitte einfach unter 05103 1582. Ende Mai werden wir dann erneut berichten.