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Start Projekte "Unser" Radweg Die Geschichte unseres Radweges

Die Geschichte „unseres“ Radweges

RadwegEine kurze Aufzeichnung der „unendlichen“ Geschichte des Radweges von Wennigsen zu seinem Ortsteil Wennigser Mark entlang der Landesstraße 391.

Dieser Tage wird der oben genannte Radweg fertig gestellt. Wir sind im Juli 2011. Für einige, die sich mit dem Projekt beschäftigt haben, ist es eine große Freude. Endlich!! Für Viele, die immer mal wieder davon gehört haben, unverständlich, dass ein solches Projekt – 1200 m Fahrradweg am Feldrand – 35 Jahre für seine Realisierung benötigt.

Wie immer sind es widerstreitende Interessen, die eine solch lange Realisierungszeit zur Folge haben.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: An eine von vielen schnell fahrenden Kraftfahrzeugen benutzte Straße gehört ein Radweg, der das Gefahrenpotential aller Verkehrsteilnehmer mindert. Aber der Bau und der Unterhalt kosten Geld und Land. Die Politiker, die über das Geld entscheiden, haben ihre eigenen Vorstellungen was wichtig ist und gebaut werden sollte. Und die Landwirte, denen die Flächen abgekauft werden müssen, wollen natürlich auch nicht, das ihr Land, von dem sie leben, immer weniger wird. Der einzelne Verkehrsteilnehmer ärgert sich, aber nimmt die Situation als gegeben hin.

Es sind also nur Einzelne, die das Problem erkannt haben und um Abhilfe bemüht waren. So auch hier: Die Kraft kam aus dem Ortsrat der Wennigser Mark.

Auch wenn immer wieder von einigen Menschen auf die vorhandenen Feld- und Waldwege verwiesen wurde und der Radweg bis kurz vor seinem Bau immer noch die Diskussion hinnehmen musste, ob er denn nun notwendig sei, wird er sich bald großer Beliebtheit erfreuen und hoffentlich weitere Verkehrsunfälle verhindern. Die vielen Probleme, die dabei überwunden werden mussten, werden bald vergessen sein.

Ein kleiner historischer Abriss dieses Projektes mag den interessierten Leser erheitern, verwundern oder auch nur den Kopf schütteln lassen, daher in knapper Form, nur mit Jahreszahlen versehen, hier die Geschichte „unseres“ Radweges:

1976: In der Ortsratssitzung vom 16.02. wird von einem Bürger die Forderung nach einem kombinierten Fuß/Radweg erhoben und erstmals protokollarisch festgehalten.
Im November des gleichen Jahres wird die Forderung, die der Ortsrat Wennigser Mark einstimmig übernommen hat, als Wunsch nach einem Teilausbau von der Polizeischule bis zum Waldrand Richtung Wennigsen an den Kreistag herangetragen.

1978: Nach Aussage des Landesamtes für Straßenbau wurde eine Grunderwerbsverhandlung vom Land geführt, mit dem Ziel den Radweg zu bauen. Dies wurde aber von den betroffenen Landwirten, mit dem Verweis auf parallel verlaufende Wirtschaftswege abgelehnt. Daraufhin wurde die Bauabsicht vom Land fallengelassen.

1984: Teilausbau des Radweges bis zum Deisterrand nach langen Verzögerungen durch den Grunderwerb.

1987: Erneuter Antrag des Ortsrates an die Gemeindeverwaltung, den Radwegausbau bis nach Wennigsen beim Land zu erreichen, nach einem     schweren Fahrrad/Autounfall auf dem genannten Streckenabschnitt mit schwersten körperlichen Schäden.

1988: Nachdem sich kein Fortkommen in der Entwicklung zeigt, beschließt der Ortsrat eine Unterschriftensammlung durchzuführen, um damit der Forderung Nachdruck zu verleihen.
Über 500 Bürgerinnen und Bürger aus der Wennigser Mark unterstützen die Forderung durch ihre Unterschrift.

1989: Die Gemeindeverwaltung bittet die Bezirksregierung den Radweg in das Radwegeprogramm aufzunehmen.

1990: Das Nds. Wirtschaftsministerium stellt einen Ausbau in Aussicht, wenn die alte Prioritätenliste des Landes abgearbeitet sei und die Planung der L391 zwischen Wennigsen und Sorsum Baureife erreicht hat.
Die Gemeindeverwaltung erarbeitet mit dem Ortsrat Wennigser Mark Ausbaupläne zur technischen Realisierung.

1991: Das Nds. Wirtschaftsministerium stellt den Ausbau im Rahmen eines Modellvorhabens in Aussicht, unter 50% Beteiligung der Kommune.
Ortstermin unter Beteiligung von Mitarbeitern des Ministeriums mit einer Kostenschätzung im Hinblick auf eine Realisierung nach dem Modellvorhaben.

1992: Erneuter schwerer Verkehrsunfall mit Radfahrerbeteiligung. Mehrere Ortstermine mit den zu beteiligenden Behörden und Interessengruppen unter Beteiligung von Vertretern der anliegenden Landwirte bringen die Planungen nur unwesentlich weiter.

1993: Zwei weitere Anliegerversammlungen und wiederum etliche Ortstermine, Gespräche und Planungen unter Beteiligung des Straßenbauamtes lassen die Hoffnung zu, dass Anfang 1994 ein Verzicht auf das langwierige Planfeststellungsverfahren erreicht werden kann und dann die baureife Planung Finanzierungsgesprächen zugeführt werden kann.

1994: Die bautechnischen Planungen und Zeichnungen als Vorentwurf werden von der Gemeindeverwaltung durchgeführt.

1995: Gespräche der Gemeindeverwaltung und des Ortsbürgermeisters der Wennigser Mark mit den einzelnen Anliegern erreichen die Bauerlaubnis von allen Anliegern.
Die zu beteiligenden Institutionen geben eine prinzipielle Zustimmung, so dass über die Finanzierung nachgedacht wird.

1996: Das Land besteht auf einer Finanzierung nach dem „Modellvorhaben“ mit 50% Beteiligung der Kommune. Die Finanzlage lässt dies jedoch jetzt und in absehbarer Zukunft nicht zu, da es nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört.

1997: Kommunalverband, Kreis und der Europäische Förderfond aus den Mitteln von „Pro Land“ werden um Finanzierungsbeteiligung gebeten. Das Land lehnt die Aufnahme in ihre „Prioritätenliste“ weiterhin ab.

1998: Finanzierungen von anderen Seiten werden abgelehnt, weil von diesen Stellen das Land in der Pflicht zum Radwegeneubau an Landesstraßen gesehen wird.

1999: Der Vorentwurf der Gemeinde wird vom Straßenbauamt geprüft und Nachbesserungen aufgrund inzwischen geänderter Auflagen und Planungsgrundlagen für den Radwegebau erforderlich. Wieder werden zähe Detailverfolgungen mit den unterschiedlichsten Widernissen notwendig und vom Ortbürgermeister hartnäckig verfolgt – bis hin zum Entwurfsschreiben des Bauplanerischen Erläuterungsberichtes, weil das Bauamt der Gemeinde „keine personellen Kapazitäten“ mehr hat.

2000: Das Straßenbauamt teilt mit, dass das „Modellradwegeprogramm“ nun in das Programm „Gemeinschaftsradwege an Landesstraßen" umgewandelt wurde, die Bedingungen seien allerdings gleich geblieben. Es schlägt die Aufnahme unseres Radweges in dieses Programm vor und fordert die Gemeinde auf, verbindlich die Kostenbeteiligung von 50% zu erklären. Wieder wird von dieser die Kostenbeteiligung abgelehnt und die Aufnahme in den Radwegebedarfsplan gefordert – mit negativem Ergebnis.

Radweg bis 2010 (Quelle: DLZ)

Am 23.10.2000 teilt das Straßenbauamt der Gemeinde mit, dass der Radweg für die Prioritätenliste nachbewertet wurde und nun, aufgrund anderer Einschätzungen des Tourismusaspektes, eine Punktzahl von 36,5 Punkten erreicht hat (früher 20,5) und damit eine „erhöhte Dringlichkeit“ für den Bau des Radweges gegeben sei. Damit wird dem Straßenbauamt durch das Landesamt für Straßenbau der Planungsauftrag für den Bau des Radweges zu Lasten der Straßenbauverwaltung erteilt.

Der Ortsbürgermeister gibt in der einzig verbliebenen Gaststätte der Mark eine Lokalrunde aus (seine einzige!).

2001: Mit der Planung durch die Landesbehörde werden die Planungsgrundlagen erneut verändert und mehr Fläche von den Anliegern benötigt. Die nun notwendigen Nachverhandlungen mit den Anliegern scheitern. Damit wird ein normales Planfeststellungsverfahren notwendig, um dessen Vermeidung der Ortsbürgermeister sich jahrelang bemüht hat.

2002: Der gegenwärtige Stand des Planungsverfahrens sieht vor, dass die baulichen Voraussetzungen nunmehr im Laufe dieses Jahres durch die Behörden abgeschlossen werden können und das baurechtliche Verfahren eingeleitet werden kann. Da die Landesregierung mittlerweile beschlossen hat bis zum Jahre 2005 keine neuen Radwege mehr zu bauen, ist auch mit einer Finanzierung bis zu diesem Datum nicht zu rechnen.

2005: Das Straßenbauamt stellt der Gemeinde eine schnellere Realisierung des Radweges in Aussicht, wenn diese die Fläche dafür zur Verfügung stellt. (Die Verhandlungen der Gemeindevertreter mit den ihnen bekannten Landwirten ist natürlich einfacher.) Daher wird versucht mit den anliegenden Landwirten Kaufverträge auszuhandeln.

2006: Ein parteiübergreifender einstimmiger Beschluss des Gemeindrates zur Bereitstellung von Gemeindemitteln zum Ankauf der erforderlichen Flächen macht den Weg zu einer baldigen Realisierung frei.

2007: Wieder werden langwierige Verhandlungen mit den Landwirten notwendig aber von der Gemeinde beharrlich betrieben und erfolgreich abgeschlossen.

2009: Das Planfeststellungsverfahren wird mittlerweile erfolgreich durchgeführt und vom Straßenbauamt wird der Gemeinde mitgeteilt, dass bis zum Jahr 2012 der Radweg nach Sorsum und der Radweg zur Wennigser Mark fertig gestellt werden.

2010: Das Bauvorhaben wird im November durch das Fällen von Bewuchs entlang der Landesstraße begonnen, damit die für das Jahr 2010 bereitgestellten Mittel nicht verfallen und erneut gebangt werden muss, ob im Jahr 2011 noch Geld für den Bau vorhanden sein wird.

Hier endet die Liste der Jahre der Vorbereitung auf den Bau von 1200 m Radweg.

Uwe Degenhardt

Die beschriebenen Schritte waren nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielen Gesprächen, Telefonaten, Ortsterminen, Briefen und E-mails und wenn es nicht einige von der Sache überzeugte und gutwillige „Mittäter“ gegeben hätte, wer weiß, ob es jemals zu dem Bau gekommen wäre. Hier sei allen ein herzlicher Dank gesagt vor allem Mitarbeitern des Bauamtes und der Kämmerei und auch dem jungen Bürgermeister, der sich intensiv in seiner kurzen Dienstzeit mit eingesetzt hat. Ein besonderer Dank geht auch an den ADFC hier natürlich an Ingo Laskowski der durch viele Schreiben und Telefonate das Projekt mit befördert hat.

Uwe Degenhardt,
Mitglied des Ortsrates der Wennigser Mark von 1986 bis 2009
und Ortsbürgermeister von 1991 bis 2009