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Start Vereine und Gruppen SPD Abteilung WMark / Argestorf Erinnerungstafel am Hause Egestorfer Str. 12 der Wennigser Mark

Die Erinnerungstafel am Hause Egestorfer Str. 12 der Wennigser Mark

Gedenkstein SPD

Text der Tafel

Am 6. Oktober 1945
stritten in diesem Haus
die SPD-Mitglieder
Kurt Schumacher
und Otto Grotewohl

über den Zusammenschluss

von SPD und KPD


(anlässlich
der „Reichskonferenz“ der SPD in Wennigsen)

Mit dieser Tafel wird an die Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg in Wennigsen erinnert.

Anlässlich der 55. Wiederkehr dieses Jahrestages der „Reichskonferenz“ im Jahre 2000 wurde die Gedenktafel an einem Deisterfindling vor dem Hause Egestorfer Str. 12 in der Wennigser Mark von der örtlichen SPD Abteilung angebracht.

Der historische Hintergrund geht auf die Ereignisse in der Hitler-Diktatur zurück, in der die SPD mit dem „ Gesetz gegen Neubildung von Parteien“ vom 14.Juli 1933 faktisch verboten und Hitlers NSDAP zur einzigen politischen Partei erklärt wurde.

In der Folge wurden viele Mitglieder der SPD verfolgt, inhaftiert, gefoltert und getötet und eine politische Parteiarbeit außerhalb der NSDAP mit Zuchthaus bestraft.

Erst im Sommer 1945, also nach der Kapitulation Deutschlands, konnte mit einem Neuaufbau des Staates und der Gesellschaft begonnen werden. Hier nahmen die überlebenden oder ins Exil geflüchteten Sozialdemokraten sofort wieder Kontakt zueinander auf, um die SPD zu reorganisieren. Treibende Kraft war dabei Dr. Kurt Schumacher, der unter den Nazis 10 Jahre im Konzentrationslager Dachau zugebracht hatte und bereits in der Weimarer Republik Sozialdemokratischer Abgeordneter war. Er war nach der Entlassung nach Hannover gekommen und betrieb die Reorganisation der SPD von seinem Büro in der Jakobsstraße in Linden aus. Da Parteien von den Alliierten zunächst verboten waren wurde nur vom „Büro Schumacher“ gesprochen.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, eine enge Vertraute Schumachers, schrieb in dem Vorwort zum Begleitbuch zur Ausstellung „ Deutsche Geschichte in Wennigsen“, einer Dokumentensammlung vom Wiederaufbau von Staat und Gesellschaft, „auf Einladung von Kurt Schumacher, dem Beauftragten der SPD in den drei Westzonen, fand vom 5.-7.Oktober 1945 in Wennigsen eine so genannte „Reichskonferenz“ von Sozialdemokraten aus den drei Westzonen, der Ostzone und Berlin statt. Otto Grotewohl, Gustav Dahrendorf, und Max Fechtner kamen aus der Sowjetischen Besatzungszone, Erich Ollenhauer, Erwin Schöttle und Fritz Heine vom Exilvorstand der SPD in London angereist.

Vereinfachend gesagt, ging es auf dieser Konferenz einmal um den zentralen Vorsitz der SPD in der Person Otto Grotewohls gegenüber der westdeutschen Forderung, den Vorsitz erst auf einer gesamtdeutschen Konferenz zu wählen. Vor allem aber sah Schumacher die große Gefahr, dass der „Traum von der Einheit der Arbeiterklasse“ der Sieg der Kommunisten über die Sozialdemokraten wäre und die Unterwerfung unter der Besatzungsmacht der UdSSR.

Kurt Schumacher hat mit seiner konsequenten sozialdemokratischen Haltung, die insbesondere durch die Berliner West-SPD unterstützt wurde, das Ziel nicht aus den Augen verloren, durch die Magnetwirkung der Demokratie eines Tages die Einheit Deutschlands zu erreichen. Ohne den Widerstand Schumachers hätte es die heutige Bundesrepublik Deutschland nicht gegeben.“

Heute wissen wir nun, dass, nach der Rückkehr Otto Grotewohls nach Ostberlin 1945, die dortige SPD mit der kommunistischen KPD zwangsvereinigt wurde und dann unter dem Kürzel SED, Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, bis zum Ende der DDR bestand.

Otto Grotewohl wurde dann zum ersten Ministerpräsidenten der DDR gewählt, Kurt Schumacher zum Vorsitzenden der SPD in Westdeutschland.

Warum nun gerade Wennigsen zum Wiedergeburtsort der deutschen Sozialdemokratie wurde lag an mehreren Faktoren: Zum einen lebte Kurt Schumacher nach seiner Haftentlassung in Hannover, wo alle größeren Versammlungsräume zerbombt waren und zum anderen auf noch keinen funktionierenden Ortsverein der SPD zurückgegriffen werden konnte, der die Unterbringung der ca. 80 Delegierten organisieren und während der Konferenz mit Nahrung versorgen konnte. Beides war in Wennigsen gegeben. Hier stand mit dem Bahnhofshotel, später Calenberger Hof, ein ausreichend großer Raum zur Verfügung. Ferner hatte sich der Ortsverein der SPD Wennigsen bereits am 1. Juni 1945 wieder neu gegründet. Er besaß damit schon eine große Zahl von Genossinnen und Genossen, die sowohl die Unterbringung der Gäste wie auch deren Versorgung mit Lebensmitteln sicherstellen konnten. Lebensmittel gab es zu der Zeit nur stark rationiert und so waren „Organisationstalent“ und gute Beziehungen gefragt.

In der Nacht vom 6. zum 7. Oktober 1945 saßen in der Küche von Friedrich Schönfeld, hier im Hause Egestorfer Straße 12, Schumacher und Grotewohl und führten die entscheidenden Gespräche. Es war, so wurde kolportiert, recht laut zugegangen.

Große und entscheidende Geschichte kann manchmal an ganz unscheinbaren Orten stattfinden. Dieses ist so ein Ort.

Die heutigen Besitzer, das Ehepaar Mühlrath hat freundlicherweise die Pflege dieses kleinen Gedenkortes übernommen. Die Wennigser Sozialdemokraten danken ihnen dafür.

 

 

Mehr Informationen zu den damaligen Ereignissen unter

www.geschichte-in-wennigsen.wennigsen.net