1924 bis 1945

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Als die Auswirkungen des 1. Weltkrieges überwunden waren, setzte sich die Entwicklung der Wennigser Mark fort. 1924 eröffnete Heinrich Stegen aus Langreder im Haus Nr. 186 einen Laden für Kolonialwaren und Feinkost. Das war für die Wennigser Mark ein Fortschritt, denn bisher mussten die Einkäufe entweder in Wennigsen und Egestorf getätigt werden oder die Kaufleute fuhren mit Pferdefuhrwerken in die Wennigser Mark und verkauften ihre Waren vor Ort .

Im Frühjahr 1925 erwarb der Landkreis Linden die Häuser Nr. 257 und 275 um eine Schule für Erzieher und ein Erziehungsheim für gefährdete Kinder und jugendliche Arbeitslose einzurichten. Verwaltungsgebäude dieser Einrichtung wurde Haus Nr. 257. Haus Nr. 275 diente als Wohnhaus und Schulgebäude mit zwei Schulräumen. Ende 1926 gab der Landkreis Linden diese Einrichtungen wegen Geldmangels auf. Die Schulkinder der Wennigser Mark mussten bis 1921 bei jedem Wetter zu Fuß nach Wennigsen zur Schule gehen. So kam der Gedanke auf für die Kinder der Wennigser Mark eine eigene Schule einzurichten. Das Vorhaben scheiterte jedoch zunächst an den unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen der an der Planung beteiligten Behörden und der Gemeinde Wennigsen. 1921 fasste man den Beschluss, bis zur Lösung des Schulproblems in der Veranda des Gasthauses Hubertus einen provisorischen Schulbetrieb einzurichten. Der Junglehrer Karl Heinlein unterrichtete damals 43 Volksschüler. Von diesen ersten Schülern in der Wennigser Mark trugen 14 Schüler den Namen Maage. Nach der Kündigung des Pachtvertrages mit dem Gastwirt Budde wurde 1926 kurzzeitig in einem Klassenzimmer des ehemaligen Erziehungsheimes Haus Nr. 275 unterrichtet. Wer eine höhere Schule besuchen wollte, musste mit der Bahn bis nach Hannover fahren oder die Mittelschule in Barsinghausen besuchen. Die an der Planung des Schulneubaus Beteiligten bemühten sich weiterhin um ein Grundstück in der Wennigser Mark. Schließlich konnte ein Grundstück an der Egestorfer Straße von Heinrich Behrens erworben werden. Nach den vielen Streitereien zwischen dem Landrat und der Gemeinde Wennigsen erfolgte am 26. Oktober 1926 die Grundsteinlegung der neuen Schule und zu Pfingsten 1927 wurde die Schule feierlich eingeweiht. Das Schulgebäude erhielt die Haus Nr. 328.

Bis Ende der 20er Jahre ist die Bebauung bis auf wenige Baulücken an der Egestorfer Straße abgeschlossen. Die Zuname der Bevölkerung der Wennigser Mark machte es erforderlich neue Flächen zur Verbesserung der Versorgungslage ihrer Einwohner zu erschließen. Nach 1930 begann die bauliche Entwicklung der Wennigser Mark entlang des Suerser Weges, des Bierweges, des Unteren Waldweges und des Schleifbaches. Die bewaldete Fläche von 31 Morgen zwischen Schleifbach, Suerser Weg, Bierweg und dem Gelände der ehemaligen Zündschnurfabrik, vormals im Besitz der Klosterkammer, wurde in mühevoller Arbeit urbar gemacht. Das Gebiet am Unteren Waldweg und der obere Teil des Bierweges teilte man in gleich große Grundstücke von 2500 qm auf. 13 Häuser entstanden in der Zeit zwischen 1930 bis 1945 am Suerser Weg, Bierweg, Unteren Waldweg und Schleifbach.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden die Gewerkschaften aufgelöst. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt und in die Gebäude Haus Nr. 257 und 275 zogen die neuen Machthaber ein. Aus den Gebäuden, in denen man bisher Gewerkschafter schulte, wurde eine Gauschule. Jetzt wurde hier anderer Unterricht erteilt. Statt Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, standen Propaganda, Schulung und Überwachung in den Betrieben auf den Lehrplänen. Parteigrößen, wie Robert Ley ( Führer der Deutschen Arbeitsfront ) und Bernhard Rust ( Gauleiter von Süd- Hannover – Braunschweig ), besuchten diese Einrichtung. Dabei kam es zu großen Aufmärschen. Jetzt zog auch die „Neue Zeit“ in die bisher so ruhige Wennigser Mark ein. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP Wennigsen war Einwohner der Wennigser Mark und dessen Ehefrau leitete die NS-Frauenschaft. Wie in ganz Deutschland üblich wurden auch in der Wennigser Mark die Namen von Straßen und Wegen dem national-sozialistischen Gedankengut angepasst. So gab es hier die Ludendorffstraße (heute Egestorfer Straße) die Litzmann- Straße (heute Unterer Waldweg) und die Tannenbergstraße (heute Bierweg).

Ab 1940 wurde der Annaturm und die Umgebung mit Einrichtungen zur Luftüberwachung ausgebaut um in den norddeutschen Raum einfliegende alliierte Bomberverbände zu orten. In der Wennigser Mark waren nur wenige Zerstörungen durch Kriegseinwirkungen zu verzeichnen. Allerdings richteten Notabwürfe alliierter Bombenflugzeuge im Bereich des Westerholzes Schaden an. Am Gewächshaus der Gärtnerei Harms gingen durch den Luftdruck fast alle Glasscheiben zu Bruch. Aufsehen erregten die Abstürze von Bombenflugzeugen in der näheren Umgebung der Wennigser Mark. Im letzten Kriegsjahr waren die Zugverbindungen in Richtung Hannover oft unterbrochen, da alliierte Bomber und Jagdflugzeuge die Bahnhöfe und die Züge unter Beschuss nahmen. Am Sonntag, den 8. April 1945 gegen 18 Uhr rückten die Amerikaner von Egestorf kommend in der Wennigser Mark ein. Die Amerikaner blieben jedoch nicht lange in der Wennigser Mark und nach ihrem Abzug entstand kurzzeitig eine rechtsfreie Zone. Die Zwangsarbeiter verschafften sich ihr Recht. Da sie nicht mehr verpflegt wurden, nahmen sie die Sache selbst in die Hand und es kam zu Plünderungen und Übergriffen gegenüber der Bevölkerung. Um den Auswüchsen und Übergriffen Einhalt zu gebieten, wurde von den Einwohnern der Wennigser Mark ein Wachdienst eingerichtet. Dieser kontrollierte nachts auf den Straßen. Zur Alarmierung der Einwohner nutzte man Feuerwehrsignalhörner. Einmal überraschte eine Streife einen Polen, der ein noch lebendes Schaf auf der Schulter trug. Vor Schreck warf er das Schaf in einen Graben und suchte das Weite. Das Schaf verschwand ebenfalls. Da es nie wieder auftauchte, hat es wohl zur Verbesserung der Speisekarte einer Familie in der Wennigser Mark beigetragen. Die nachrückenden britischen Truppen stellten im Sommer 1945 durch die Einrichtung einer Militärverwaltung wieder Recht und Ordnung her. Politisch belastete Personen wurden aus ihren öffentlichen Ämtern entfernt. Die Zeit des Nationalsozialismus war nun endgültig vorbei und die Folgen des Krieges sind auch an der Wennigser Mark nicht spurlos vorübergegangen. In nicht wenigen Familien hinterließ der Krieg schmerzhafte Lücken. 19 junge Männer aus der Wennigser Mark haben im Krieg ihr Leben gelassen.

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